12. 1. 2026
Die Dokumentation von Heike Nelsen begleitet die neue "Ku'damm"-Staffel
und ordnet die Ereignisse im Jahr 1977 historisch ein. Im geteilten Deutschland
kommt vieles Ende der 70er in Bewegung. - Im Westen herrscht das
Discofieber, zeitgleich zittert die Bonner Republik vor dem linken Terror
der Roten Armee Fraktion. In der DDR errichtet die Stasi zunehmend ein
Schattenregiment, das die eigenen Bürger überwacht, erpresst
und terrorisiert. Die begleitende Dokumentation zeigt vergleichbare Schicksale:
Die Filmfigur Wolfgang von Boost, Friederikes Vater, lebt in Ostberlin.
Die Stasi nutzt seine Homosexualität als Druckmittel, will von ihm
die Mitarbeit als Spitzel erzwingen. Mario Röllig, Protagonist in
der Doku, hat dies am eigenen Leib erlebt. Linda Müller, eine Filmemacherin
in der neuen "Ku'damm"-Staffel, macht eine Dokumentation über die
Schöllacks und deckt dabei Familiengeheimnisse auf. Als heimliches
Kind der Matriarchin Cateria Schöllack und einem schwarzen GI erlebt
sie immer wieder Ausgrenzung und Vorurteile. Eine Erfahrung, die auch Michael
Mülich gemacht hat: Seine Mutter stammt aus Gießen, sein Vater
aus Alabama, war als Soldat bei der US-Army. In der Doku schildert er seine
Kindheit und Jugend in der Nachkriegszeit. - Die 1970er-Jahre sind ein
Jahrzehnt des Aufbruchs, die Jungen hinterfragen alte Rollenbilder und
brechen damit. Auch bei den Schöllack-Frauen entzündet sich daran
in der neuen Staffel der Konflikt der Generationen. Friederike will über
ihr eigenes Leben bestimmen und einen "Männerberuf" ergreifen: Sie
will Polizistin werden. 1977 gibt es noch keine Frauen bei der Berliner
Polizei, die auf "Streife gehen" oder den Verkehr regeln. Brigitte Seiffert
ist 1978 eine der ersten, die in Berlin bei der "Schutzpolizei" ausgebildet
werden. Die männlichen Kollegen sind wie im Film zunächst skeptisch,
manche überfordert. Auch am Thema Kriegsschuld reiben sich die Jungen
und die Alten, im Spielfilm wie im echten Leben. Die Nachkriegsgeneration
will das Schweigen beenden, fordert Aufklärung und Entschädigung
für die Opfer des Holocausts. Die "Jewish Claims Conference" vertritt
die finanziellen Ansprüche der Überlebenden der Shoa und ihrer
Angehörigen. Bei den sogenannten Arisierungen wurde Eigentum jüdischer
Bürger im NS-Staat oft zu symbolischen Beträgen verkauft, de
facto enteignet. Auch die jüdische Tanzschule "Willy Weissbart" in
der Königstraße 67 in Berlin fiel der "Arisierung" zum Opfer.
Gegen die
späteren Eigentümer, die davon profitierten, wurde in den
1960er-Jahren geklagt. - 1977 kommt "Saturday Night Fever" mit John Travolta
in die West-Kinos – die Musik wird zum Soundtrack der späten 1970er-Jahre:
Das Discofieber packt die Nation, alle wollen so tanzen wie die Stars im
Hollywoodstreifen. Auch am Berliner Ku'damm schießen Diskotheken
wie Pilze aus dem Boden. Andreas Kieß, selbst damals in den Clubs
unterwegs, schildert in der Dokumentation das Lebensgefühl, das eine
ganze Generation prägte und bis heute weiterlebt.
Bearbeitet am 18. Januar 2026