Zum Ende von "Unter uns"

Ende August haute RTL eine Meldung heraus: die Soap "Unter uns" wird eingestellt. Im Frühjahr 2027 werden die letzten Episoden auf dem Sender laufen. Das sorgte für viel Verdruss bei den Fans der Serie. RTL sang in einer Pressemitteilung das hohe Lied auf die Soap, vergoss ein paar Krokodilstränen und das war es dann.

Das Ende kam für mich nicht überraschend. Dass sich die Geschichten um die Weigels und ihre Nachbarn schon in der Vergangenheit schwer taten, konnte ich immer wieder feststellen, 2011 lästerte ich sogar hier darüber ab. Seit 2007 hatte ich immer wieder reingeschaut, war zeitweise hängen geblieben und hatte mich zwischendurch auch mal weggeschaltet. Seit 2019, der heterosexuellen Homoehe und dem Tod von Mutter Weigel sei Dank, war ich wieder dabei.

Im Juni, Juli und August musste ich auf das Treiben in der Schilleralle verzichten: bei meinem neuen PC (das ist hoffentlich mein letzter) funktionierte die TV-Karte nicht. Die öffentlich-rechtlich Sender strahlen ihr Programm auch im Internet aus, RTL tut dies nur auf RTL+, einem Streamingdienst für Bares. Tatsächlich hatte ich darüber nachgedacht, da mal reinzuschnuppern, am Ende siegte die Unlust. Ich gab lieber Geld für eine neue TV-Karte aus, um Kabel zu empfangen. Wenn man bei RTL möchte, dass ich ihren Streamingdienst abonniere, können sie es mir als TV-Kritiker ein Abo spendieren. Das wird aber nie passieren, obgleich RTL der einzige kommerzielle Sender ist, dessen Sendungen ich noch sehe. Ganz unter uns gesagt.

Nun hatte ich fast drei Monate verpasst. In dieser Zeit gab es zwei Tote, ein neues Familienmitglied aus Japan und den nahenden Abbruch der Schillerallee. Nichts, was mich wirklich bewegt. Dazu kommt die Einfallslosigkeit der Macher von "UFA Serial Drama". Die machen "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", "Alles was zählt" und früher die "Verbotene Liebe". Die beherrschen ihr Handwerk und wissen, was sie tun. Sollte ich meinen. Tatsächlich sahen sie zuletzt ihren Arbeitsauftrag wohl darin, alles billig zu halten. Das merkte ich auch, und vermutlich mit mir viele andere auch.

Zwei Beispiele. Ronja soll bei ihrer Polizeiausbildung eine Prüfung absolvieren, bei der man nicht gewinnen kann. Das kennt man aus "Star Trek II: Der Zorn des Khan", es wurde der Kobayashi Maru Test genannt. Einer gewinnt den Test: James Tiberius Kirk ändert das Programm, er schummelt. Das macht Ronja auch mit Hilfe von Ringo. Nun hätte man zeigen können, wie Ronja den Test absolviert und gewinnt, man hätte ihr Gesicht zeigen können und das Verhalten der Prüfungskommission. Das ersparten uns die Macher. Ronja erzählt, was passiert ist. Man zeigt es nicht, denn das hätte Geld gekostet für das Set und für das Personal. Langweilig, langweilig. Zu meiner Überraschung kehrte Mutter Weigel nach sieben Jahren von Toten zurück. Sie hat unerkannt in einem Thailänder Gefängnis gesessen. Ja ja, richtig gelesen. Unabhängig von der Auflösung, wurde das unfassbar mies gemacht. Man hätte in Thailand drehen können und die Rettung von Irene Weigel zeigen können, am was man zeigte, machte mich fassungslos. Da wurde nur gespart. Das ist langweilig und peinlich.

Noch etwas anderes kommt hinzu. Es gibt kein junges Volk mehr. Früher, in der guten alten Zeit, tummelten sich dort Teenager und machen erste Erfahrungen in der Schauspielerei. Gut, bei den meisten endete ihre Karriere im TV und im Filmgeschäft mit dem Ausscheiden aus der Soap. Gibt es noch junges Volk in "Unter uns"? Die türkischen Verwandten der Weigels wurden eingeführt, aber die junge Generation hatte schon einen Beruf: Bäckermeisterin und Zöllner.

Alles plätscherte zuletzt vor sich hin. Gut, man bemühte seit 2023 Miriam Lahnstein in ihrer Paraderolle als Biest, nur passt das nicht in den Kosmos der Schillerallee (sehenswert ist sie trotzdem). Der einzige Kracher blieb Tabea Heyning als Britta Schönfeld-Küpper. Sie hat gute Auftritte, die für viel Spaß sorgen.

Möglichkeiten, die träge Soap aufzupeppen, gab und gibt es viele. Hätte man die Besetzung verjüngt und das junge Volk angesprochen, hätte man neues Publikum gewinnen können. Das hat man eben auch nicht gemacht. So alterten das Publikum und die Zuschauer mit den Schauspielerinnen und Darstellern: ich konnte etwa miterleben, wie Patrick Müller erst Haare auf der Brust bekam und dann Haare auf dem Kopf verlor. Welche Dramen habe ich mit ihm erlebt!?

Das nähert sich dem Ende.

Ein anderer Sender wird die Soap nicht fortsetzen, solche Überlegungen scheiterten schon 2020 bei der "Lindenstraße". Es gab nicht mal eine Fortsetzung im Radio. Der einzige Sender, der seit Jahren in Dauerschleife von Montag bis Freitag eine Serie zur Soap gemacht hat, ist Tele 5 mit seiner Endlosschleife von Star Trek. Die könnten versuchen, neues Publikum zu finden ... Sie werden sich wohl hüten.

RTL wird mit einem anderen Problem gestraft: es muss die Zeit von 17.30 bis 18.00 Uhr mit Material füllen, das von den Quoten an "Unter uns" heranreicht.

Warum habe ich jetzt so viel über das Ende von "Unter uns" geschrieben? Wer dankt es mir? Man weiß es nicht!

Muss ich mir Sorgen machen? Sicher nicht. Weder um die Soap "Unter uns", noch um den Sender. Die werden schon wissen, wie sie an ihr Geld kommen.

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Bearbeitet am 5. September 2026

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