HURTZ

Anton Beck: # jugend (Gedächtnisreihe Ludwig Marxer), o.O. 2016.

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Wer sich auf dieser Internetpräsenz zufällig oder mit Absicht auf meine Biografie verirrt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass ich einen Titel trage. Diesen Titel verdanke ich einer wissenschaftlichen Arbeit über den Landtag des Fürstentums Liechtenstein. Meine Beziehungen zum Fürstentum sind sanft entschlafen, gleichwohl zieht es mich auf der Frankfurter Buchmesse immer noch zum Stand des Fürstentums. Ich will schon wissen, was es an literarischen Neuheiten gibt, und welche Aufsätze mir im neuen Jahrbuch des Historischen Vereins durch die Lappen gehen, seit ich dort nicht mehr Mitglied bin. So schlunzte ich auch im Oktober 2016 am Stand vorbei und vertiefte mich in einigen Werken liechtensteinischer Literaturgrößen. Dabei fiel mir auch das Buch von Anton Beck ins Auge: der Lümmel eroberte mein Interesse, in dem er gleich auf der zweiten Seite des Textes über die Pflichten des aufgepasst dänischen Kronprinzen ablästerte, und diese Pflicht besteht eben auch darin, Kinder in die Welt zu setzen. Hui, dachte ich mir, da ist aber einer verbrämt mutig. Kommt noch hinzu, dass das Opus "# jugend" in der Ludwig Marxer Gedächtnisreihe erschienen ist. Schließlich spielte die Geschichte im Herbst 2017, es geht um Frauen und eine Tote.

Aha.

Wenn man mich nach der Lektüre dieses sich selbst als Roman definierenden Buches fragt, um was es denn nun eigentlich geht, so muss ich passen. Einhundertvierzig Seiten und ich weiß es nicht, ich ahne es bestenfalls. Auf dem Smartphone von drei jungen Frauen tauchen Bilder einer toten Schönheit auf. Merle macht sich als Protagonistin auf, das Rätsel zu lösen. So viel habe ich mitbekommen: es war ein Suizid, dem am Ende andere folgen sollten.

Seit Goethes Werther ist der Freitod in der Literatur verbrannt. Es braucht gute Gründe, wenn ein Autor eine handelnde Person in einem Buch in den Selbstmord jagt. Weshalb das hier geschehen ist, entzieht sich völlig meiner Kenntnis. Wie ich ohnehin nicht weiß, was Anton Beck will, sieht man davon ab, dass man das Buch kaufen soll, was ihm in meinem Fall gelungen ist. Der nahtlose Perspektivwechsel der drei Hauptpersonen verwirrt ein schlichtes Gemüt wie mich mehr als dass es zu meiner Erhellung beiträgt. Streckenweise wusste ich nicht, um welche Frau es sich gerade handelt. Natürlich geht es in dem Roman auch um Sex, nur kann ich mich nicht erinnern, dass es zum Vollzug des Geschlechtsverkehres gekommen wäre. Das wäre mir nicht entgangen. Oder doch?

Was soll ich damit anfangen: "Dreifach vergewaltigte Schwuchteln seid ihr. Englisch kann jeder Spasti, Dänisch nicht. Zudem - ein Fuck auf das, was populär ist und was andere denken." (S. 48) Jede dreifach vergewaltigte Schwuchtel gibt einen Dreck auf die Meinung der Mehrheit, sonst könnte man nicht schwul leben. Und folglich geilen sich nicht alle Männer an Frauen in engen Jeans auf (S. 14). Ach, was soll's.

Das Ende vom Lied: es war schon so, dass ich das Buch durchgelesen habe; das hat Anton Beck etwa Siefried Lenz mit seinem Überläufer voraus. Aber am Ende fehlt dem Roman das, was ich von jedem schöngeistigen Buch verlange: eine Geschichte, die trägt und mich unterhält. Davon ist diese Geschichte weit, weit entfernt.

Wenn ich in diesem Herbst auf der Buchmesse in Frankfurt bin, werde ich selbstverständlich wieder den Stand des Fürstentums besuchen, aber ich werde bei der Ecke mit den historischen Schmökern bleiben. Davon jedenfalls, so bilde ich mir ein, verstehe ich etwas.

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Bearbeitet am 26. März 2017

Text: Dr. Norbert Korfmacher